Fast die Hälfte der deutschen Spieler nutzt laut Studie immer noch den Schwarzmarkt
Fast die Hälfte des gesamten Online-Glücksspielmarktes in Deutschland wird von unlizenzierten Anbietern betrieben, wie aus einer neuen Studie der Universität Leipzig hervorgeht. Dazu zählen auch Anbieter wie die Nyx Gaming Spielautomaten, die in vielen Fällen nicht reguliert sind.
Die Studie wurde in Auftrag gegeben von der Deutschen Online-Casino-Vereinigung (DOCV) und dem Deutschen Sportwetten-Verband (DSWV). Der Verfasser ist der Ökonom Gunther Schnabl von der Universität Leipzig.
Laut dem Bericht stellt der Glücksspielstaatsvertrag - der in 2021 in Kraft getreten ist - fest, dass sein Hauptziel, das gesamte Online-Glücksspiel auf lizenzierte Seiten zu verlagern, verfehlt worden ist.
Infolgedessen haben beide Branchenverbände, die Deutsche Online Casinoverband (DOCV) und der Deutsche Sportwettenverband (DSWV), in einem gemeinsamen Positionspapier die deutsche Glücksspielaufsichtsbehörde (GGL) aufgefordert, lizenzierte Casinos konkurrenzfähiger zu machen, die durch den vierten Staatsvertrag zum Glücksspiel ins Leben gerufen wurde.
Die Studie: In Zahlen
Laut der Studie gilt eine Seite als schwarz, sofern sie mehrere Schlüsselelemente erfüllt: Zunächst muss der Server von einer deutschen IP-Adresse aus ohne die Notwendigkeit der Nutzung eines VPN-Dienstes erreichbar sein. Zweitens muss der verlinkte Internetdienst in deutscher Sprache verfasst sein, und drittens muss die Plattform bei der Anmeldung die deutsche Anschrift des Nutzers annehmen.
In dem Bericht wird darauf hingewiesen, dass im März 2023 die Kanalisierungsrate für Spieler im regulierten Onlinebereich bei 50,7% lag, (textend) wohingegen der Anteil des gesamten Traffic auf den schwarzen Märkten, welcher an unlizenzierte EU-Anbieter entfallen waren, bei 28,9% und an unlizenzierte Offshore-Anbieter bei 19,9% gelegen hatte.
Nach der Schätzung der Forscherphase entspricht der Milliardenumsatz des Online-Angebots rund drei Vierteln des marktüblichen Umsatzes, was etwa Hunderte Millionen Euro pro Jahr in der öffentlichen Duldung verloren gehen.
Fehlende Regulierung
Der Bericht stellte fest, dass die Attraktivität des Schwarzmarkts weiterhin maßgeblich von der Leichtigkeit des Zugangs für die Spieler bestimmt wird, die durch die steigende Verbreitung von Online-Werbung für unlizenzierte Marken noch verstärkt wird.
Darüber hinaus betont er, dass die Überregulierung der Einsatzlimits und Boni die Wettbewerbsfähigkeit bei den Anbietern einschränkt und den Spielern die Möglichkeit nimmt, flexiblere Alternativen zu wählen.
Die Ergebnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die deutschen Regulierungsbehörden Bemühungen fortsetzen, Maßnahmen zum Schutz der Spieler zu verbessern. Hierzu gehören z. B. Einsatzlimits, Spielsperren und Hilfsangebote. Erst in der vergangenen Woche hatte der Drogenbeauftragte der Bundesregierung auf das Problem „Glücksspielsucht“ in einer separaten Studie aufmerksam gemacht.
In der von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Studie wurde herausgefunden, dass 2,3 Prozent der deutschen Bevölkerung von 18 bis 70 Jahren im Laufe ihres Lebens pathologische Glücksspieler waren. Absolut gesehen machte diese Gruppe 7,7 Prozent aller Glücksspieler oder 1,3 Millionen Menschen aus. Die Studie identifizierte außerdem die Spielautomaten als stärksten Treiber für pathologisches Glücksspiel in Deutschland. Insbesondere zeigte sie, dass 2,7 Prozent der Automatenspieler Probleme haben und insgesamt rund 40 Prozent der Automatenspieler Risiken ausgesetzt sind.
Dringende Maßnahmen
Die DOCV und die DSWV forderten in ihren Ergebnissen akut Maßnahmen zur Bekämpfung dieses Problems.
Der vorgelegte Aktionsplan verlangt eine Überprüfung des vorhandenen regulatorischen Rahmens durch die GGL, zusammen mit einer Forderung nach einer engeren Zusammenarbeit der GGL mit der regulierten Industrie, politischen Institutionen und interessierten Kreisen.
Ebenso wird eine verbesserte Steuerpolitik sowie vereinfachte Regulierungen in dem Bericht empfohlen. Zu diesem Zweck könnte sich aus den genannten Vorschlägen eine höhere Attraktivität als lizenzierte Umgebung für Spieler ergeben.
Forderungen zur Verbesserung des Glücksspielmarkts
Einige der wichtigsten Empfehlungen und Forderungen zur Verbesserung des Marktes umfassen:
-
Engere Kooperation zwischen Regulierungsbehörden und Industrie Ein wichtiger Ansatzpunkt für die Bewältigung der bestehenden Problemfelder ist die Einrichtung einer regelmäßigen Austauschplattform zwischen den zuständigen Aufsichtsbehörden, den politischen Gremien und der Glücksspielindustrie.
-
Anbieter müssen möglicherweise bei der Festlegung ihrer Einsatzlimits und Bonusregulierungen mehr Befugnisse erhalten, die den Spielern ihrerseits mehr Flexibilität gewähren, was die Attraktivität des regulierten Marktes entscheidend erhöhen könnte.
-
Zusätzliche Präventionsmaßnahmen gegen problematisches GlücksspielZum Beispiel stärkere Unterstützung und Betreuung von gefährdeten Spielern, sowie eine Intensivierung der Aufklärungsarbeit über das Glücksspielrisiko.
-
Überprüfung der WerbevorgabenNicht lizensierte Anbieter sollten strengere Werbeauflagen unterliegen und so ihre Reichweite beschränkt und das Interesse am Schwarzmarkt eindämmen.
Wes Himes, Geschäftsführer für Standards und Innovation des Betting and Gaming Council, warnte die Teilnehmer der Bundeskonferenz zum Glückspielwesen des Behörden Spiegels vor der Bedrohung, die vom Schwarzmarkt für Spieler auszugehen droht. Am 28. Oktober wies er in Düsseldorf darauf hin, dass der beste Weg, den illegalen Markt für Glücksspiele zu bekämpfen, darin bestünde, einen "wettbewerbsfähigen regulierten Markt" zu schaffen.